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Die "Deutschlandrente"

02.05.2016

In seinem Bericht „Hoffnungsschimmer  Deutschlandrente - Richtig analysiert, falsch gefolgert?“ stellt der Neusser Wirtschaftsjournalist und Fachbuchautor Ralf E. Geiling das Konzept dieser neuen Form einer zusätzlichen Altersvorsorge vor. Der Beitrag ist erschienen als „bAV-Spezial“ in der April-Ausgabe der Personalfachzeitschrift "LOHN+GEHALT" (Heft 3/2016)
incl. Anmerkungen von Peter Kolm, p.c.a.k. GmbH.

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Drei hessische Staatsminister wollen die drohende Altersarmut unter den Rentnern in Deutschland verhindern. Dazu haben sie sich die „Deutschlandrente“ ausgedacht.

Mit ihrem Konzept zur „Deutschlandrente“ fordern die Initiatoren, dass der Staat stärker in die Verantwortung gehen müsse, da ansonsten zukünftige Altersarmut drohe: „Wir schlagen eine einfache, sichere und günstige zusätzliche Altersvorsorge vor: die „Deutschlandrente“, ein Standardprodukt für jedermann. Sie wird zum Selbstkostenpreis von einem zentralen Rentenfonds verwaltet, damit das Geld, das Bürger für ihre zusätzliche Altersvorsorge beiseitelegen, sicher vor überteuerten Angeboten ist. Sie sorgt für Orientierung in einem unübersichtlichen Markt, schafft Vertrauen und hilft vor allem, der Altersarmut vorzubeugen. Der Staat organisiert sie und steht dafür mit seinem guten Namen“.

Die hessischen Politiker weisen darauf hin, dass der Gesetzgeber bereits damit begonnen habe, das Standard-Rentenniveau um fast 20 Prozent abzusenken. Um auch zukünftig ein vergleichbares Versorgungsniveau wie heute zu erreichen, muss die Lücke aus der geringeren gesetzlichen Rente durch betriebliche und private Altersvorsorge geschlossen werden. Hierfür gibt es seit dem Jahr 2001 eine verstärkte staatliche Förderung, etwa durch Zulagen für in der betrieblichen Altersvorsorge.

Den Verbreitungsgrad der privat finanzierten Riesterrente und der arbeitnehmerfinanzierten Entgeltumwandlung halten die Initiatoren der „Deutschlandrente“ für völlig unzureichend. Komplexität und hohe Kosten vieler Produkte der betrieblichen und privaten Altersvorsorge schrecken vor allem kleine Unternehmen und Arbeitnehmer ab. Die berechtigte öffentliche Kritik an den zum Teil völlig überteuerten Riester-Produkten hat viele Bürgerinnen und Bürger mittlerweile stark verunsichert. Der Staat muss das ernst nehmen und handeln. Wir brauchen für alle Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die nicht selbst aktiv werden wollen, ein einfaches, kostengünstiges und transparentes Standardprodukt, das der Staat organisiert: die „Deutschlandrente“.

In der Praxis könnten Arbeitgeber die Beiträge für das Standardprodukt der „Deutschlandrente“ an die Deutsche Rentenversicherung abführen, ähnlich wie die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Die Anlage der eingezahlten Beiträge obliegt dann dem Deutschlandfonds, einem eigenständigen zentralen Rentenfonds, der ohne eigenes Gewinninteresse auf Selbstkostenbasis arbeitet und geschützt vor politischem Zugriff ist. Gleichzeitig sollte das bisherige „Opting-in-Modell“ durch ein „Opting-out-Modell“ ersetzt werden.

Der Deutschlandfonds setzt auf ein breit gestreutes Anlageportfolio, zum Beispiel mit einem höheren Aktienanteil als viele derzeitige Altersvorsorgeprodukte. Der sehr langfristige Anlagehorizont und die Möglichkeiten einer starken Streuung aufgrund der Größe des Fonds verringern die Anlagerisiken erheblich und sorgen gleichzeitig für höhere Renditen. Die Erfahrungen von großen Staatsfonds aus anderen Ländern bestätigen dies. So kommt der norwegische Staatsfonds seit seiner Gründung im Jahr 1997 auf eine durchschnittliche Rendite von über fünf Prozent. 

Das Standardprodukt könnte auch als reine Beitragszusage ausgestaltet werden („pay and forget“). Die Arbeitgeber müssten dann nicht mehr nach Jahrzehnten noch mit Haftungsrisiken rechnen. Ebenso wichtig darüber nachzudenken ist, ob die betriebliche und private Altersvorsorge in der Zukunft nicht mehr oder nur noch zum Teil auf die Grundsicherung im Alter anzurechnen sei.

Dies würde vor allem wichtige Anreize für Geringverdiener schaffen. „Mit diesem Maßnahmenpaket stärken wir das Vertrauen in die zusätzliche Altersvorsorge, schaffen einen sinnvollen Wettbewerb für einfache und kostengünstige Altersvorsorgeprodukte und verhindern im Ergebnis eine massive Zunahme von Altersarmut in Deutschland“, so die drei Minister abschließend.

„Gesetzliche Rente, Riesterrente, Eichelrente, Rüruprente - und jetzt die Deutschlandrente“, beschreibt Dipl.-Ing. Peter Kolm, Geschäftsführer der p.c.a.k. GmbH, München, die bunte Palette an Möglichkeiten, die ein Arbeitnehmer selbst in Händen hält, wenn er aus eigenen Mitteln etwas für seine Alterssicherung schaffen will. „Wobei die ja nur ein Part des politischen ‚Rumprobierens‘ ist“, so der unabhängige bAV-Berater Kolm. „Frau Nahles probiert ja auch und wartet auf eine Studie, ob sich mit Hilfe einer ‚Nahles-Rente‘ nicht alles zum Besseren wenden ließe. Ganz neu aus dem Bundesarbeitsministerium: die Lebensleistungsrente. Auch das Bundesministerium der Finanzen wartet mit einer Studie auf, die Licht ins Dunkle der Altersversorgung bringen soll.

Und der arme deutsche Michel, der sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Und es beschleicht ihn leise der Verdacht, dass es denen ‚da oben‘ genauso geht wie ihm. Vielleicht ist das die Idee hinter der „Deutschlandrente“. Bald 15 Jahre hat man dem Michel eingebläut, dass er privat und/oder betrieblich vorsorgen soll: mit Riester, mit Eichel, mit Rürup. Dumm nur, dass er einfach nicht in der Lage ist zusätzlich vorzusorgen. Daran ändert eine „Deutschlandrente“ auch nichts. Dumm auch, dass man heute zugeben muss, dass Riester, Eichel und Rürup bei Weitem nicht die Hoffnungen erfüllen, die seinerzeit in sie gesetzt wurden. Sie sind vielfach zu kompliziert, zu teuer und zu unflexibel und wurden teilweise sogar im Nachhinein vom Gesetzgeber verschlechtert. 

Da klingt es doch verlockend mit einer „Deutschlandrente“ den Riester-, den Eichel- und Rürup-Wald zu roden. Ob die „Deutschlandrente“ letztlich besser sein kann, sei zunächst einmal dahin gestellt. Bei den heutigen Systemen weiß man inzwischen immerhin, was falsch gelaufen ist bzw. was noch immer falsch läuft. Und könnte auch ohne dicke Studien von BMAS und BMF entsprechend korrigieren. Bei einer auf der grünen Wiese geplanten „Deutschlandrente“ weiß man das wieder erst in 15-20 Jahren. Nur so viel Zeit hat Deutschland nicht mehr“.

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