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Die Krise verschärft die Krise. Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die kommende Rentengeneration

23.11.2020

Nicht mehr lange, dann feiern wir das lang ersehnte Ende des Jahres 2020, in dem die Welt durch eine Pandemie zum Stillstand gekommen ist. Doch so schnell wird sie sich auch im kommenden Jahr nicht wieder weiterdrehen. Und auch im Jahr darauf nicht. Denn die Auswirkungen dieses Stillstandes werden zumindest auf ökonomischer Ebene, selbst sobald unsere Wirtschaft die Pandemie überwindet und zu einer gewissen Normalität zurückfindet, noch lange zu spüren sein. Zum Beispiel für die kommende Rentengeneration. 

Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, Professor für Finanzwissenschaft und Sozialpolitik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, ist im Auftrag von Union Investment der Frage nachgegangen, wie sich die Krise auf die Zukunft unseres Rentensystems auswirken wird und kommt zu einem klaren Ergebnis: es bedarf konkreten politischen Handlungsbedarf, um die gesetzliche Rentenversicherung für die Zukunft zu sichern. 

Doch beginnen wir bei der Analyse des Ist-Zustandes. Die Krise der gesetzlichen Krankenversicherung hat sich bereits zuvor aufgrund politischer Entscheidungen der vergangenen Jahre zugespitzt. So hatte in der gesetzlichen Rente bereits vor der Corona-Krise eine Nachhaltigkeitslücke von 2,6 Bio. Euro geklafft. Diese Lücke dürfte nun sogar auf etwa 3 Bio. Euro steigen. Die Krise verschärft die Krise.  

Die folgenden vier Gründe tragen maßgeblich dazu bei: 

 

1. Sinkende Einkommen 

Die Höhe der Rentenzahlungen wird gleichbleiben. Das ist das Versprechen der gesetzlichen Rentenversicherung (GVR) und durch gesetzliche Vorgaben sichergestellt. Doch das Durchschnittseinkommen wird in Folge des Wirtschaftsrückgangs sehr wahrscheinlich sinken und dadurch ebenso die staatlichen Renteneinnahmen. Ein drastischer Anstieg der Rentenlücke ist zu erwarten, für die die zukünftige Generation aufkommen müsste 

 

 2. Massive Staatsverschuldung 

Gleichzeitig wird es dem Bund aufgrund des entschleunigten Wirtschaftswachstums nicht möglich sein, die zusätzlichen Belastungen der GVR durch weitere Steuerzuschüsse aus dem Bundeshauhalt zu finanzieren. Unmittelbar vor der Corona-Pandemie lag die verbriefte Staatsschuld bei 59,8% des BIP. Raffelhüschen zufolge wird sie aufgrund der staatlichen Unterstützungsmaßnahmen noch 2020 auf rund 80% ansteigen. In den Folgejahren dürfte sie sogar auf mehr als 100% steigen. 

 

3.  Rentenniveau sinkt unter 40% 

Die wachsende Nachhaltigkeitslücke kombiniert mit den sinkenden staatlichen Steuerzuschüssen werden dazu führen, dass die Rentenbeiträge auf ein Fünftel des Bruttogehalts gedeckelt werden müssen. Dadurch, so prognostiziert Raffelhüschen, wird das Rentenniveau auf unter 40% sinken. Um den Lebensstandard im Alter zu sichern, so heißt es, seien aber 60 bis 80% des letzten Bruttolohnes notwendig. 

 

4.  Vorsorgelücke steigt auf bis zu 40% 

Die GVR könnte einen Anstieg der Vorsorgelücke von 20 bis 40% nicht mehr erfüllen. Dies würde bedeuten, dass viele künftige Rentner für ihre Zukunft nicht mehr ausreichend abgesichert sind und von Altersarmut bedroht sind. In Zeiten niedriger Zinsen können womöglich auch andere notwendige Altersvorsorgeanstrengungen zur Lebensstandardsicherung nicht ausreichend zur Vorsorge beitragen. 

 

Prof. Dr. Raffelhüschen fordert vor diesem Hintergrund die politischen Entscheidungsträger möglichst schnell und effektiv zu handeln. Dazu gehört die private Vorsorge in einen vernünftigen Rahmen zu setzen und sie von unnötigen Regeln und strengen Vorschriften zu befreien, die bis dato die Entwicklung der privaten Vorsorge stark gehemmt haben“Viele Finanz- und Versicherungsunternehmen können laut Raffelhüschen ihren Anlegern deshalb nur scheinbar sichere Anlagen anbieten, mit denen die Sparer jedoch kaum noch Rendite erzielen. In Kombination mit dem sinkenden Rentenniveau sei das genau das falsche Signal.”, führt Raffelhüschen als Beispiel an und fordert, dass statt des Zwangs zur nicht verzinsten Staatsanleihe der Gesetzgeber die private Altersvorsorge reformieren und der Finanzindustrie die Freiheit zur Diversifikation eröffnen muss. Kurz zusammengefasst: der Aufbau von Vorsorgevermögen muss für breite Bevölkerungsschichten über den Zugang zu den Kapitalmärkten erleichtert werden. 

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