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Indexpolicen - Ein Spiel mit dem Feuer?

23.07.2018

Wie sehr sich die große Politik auf die kleinen Leute auswirkt, erkennt man nicht nur daran, dass sich die von der EZB aus­gelob­te Niedrig­zins­phase, die es ursprüng­lich Staaten erleichtern sollte, billig an frisches Geld zu kommen, letzt­endlich auf die Verzinsung von Alters­versorgungen auswirkt. 

Im Zuge der sinkenden Profita­bilität klassischer Renten­versicherungen für beide Vertrags­partner - Versicherer und Versicherungs­nehmer - hat sich nämlich auch ein neuer Terminus in der Versicherungs­branche eingeschlichen: Alternative Garantien. 

Immer weniger Versicherungen bieten im Rahmen der betrieb­lichen Alters­versorgung klassische Renten­versicherungen an. Dagegen sind Index­gebundene Renten­versicherungen immer mehr im Kommen, wie eine umfassende Studie des Instituts für Vorsorge und Finanz­planung (IVFP) beweist. Aktuell werden auf dem deutschen Lebens­versicherungs­markt 17 Index­policen angeboten und glaubt man den 250 befragten Vermittlern in der Studie, wird sich dieser Trend weiter entwickeln. Als besonders wichtig wurde von den Befragten empfunden, dass die Finanz­produkte verständ­lich dargestellt werden, da sich die Policen „teilweise deutlich unter­scheiden“ würden. Das macht es nicht nur für Vermittler schwierig, den Überblick über die best­möglichen Angebote zu behalten, sondern insbe­sondere den Unter­nehmen und in logischer Folge dann den Mit­arbeitern wird der Einstieg in die neue Welt der Renten­versicherungen nicht gerade leicht gemacht.

Welche Chancen bieten die neuen Produkte?

Noch wichtiger als eine gute Rendite sind den deutschen Sparern die Sicherheiten, die ein Finanz­produkt bietet. Aber sind die neuen Indexpolicen wirklich in der Lage, sichere Renditen zu gewähr­leisten? Dazu schauen wir uns die gängigsten Modelle einmal genauer an:

Grundsätzlich gibt es zwei Berechnungs­varianten für die jährlichen Renditen, die index­gebundene Renten­versicherungen abwerfen.

Als erstes ist dabei der CAP, also die Rendite­ober­grenze, zu nennen. Die Rendite für das jeweilige Jahr ergibt sich dadurch, dass der Versicherer die Index-­Ergebnisse der einzelnen Monate addiert. Liegt die erzielte Rendite oberhalb des CAP, streicht der Versicherer die zusätzliche Rendite ein. Wird der CAP im Vertrag beispielsweise mit 3% fest­geschrieben und der Index wächst um 5%, so gehen 2% der Rendite an den Versicherer. Fällt das Ergebnis allerdings negativ aus, beseitigt der Versicherer den Verlust für den Kunden, indem er die Jahresrendite auf 0% setzt. 

Die zweite Berechnungs­variante ist die Index­quote. Dabei wird der Versicherungs­nehmer prozentual am Indexgewinn beteiligt. Wird im Versicherungs­vertrag festgeschrieben, dass die Quote bei 70% liegt, so profitiert der Kunde zu 70% am monatlichen Kursgewinn des Index’. die restlichen 30% gehen zur Kosten­deckung an den Versicherer. 

Neuere Indexpolicen verwenden zur Ermittlung der Rendite gerade entwickelte Partizi­pations­quoten. Dabei werden jährliche Kursent­wicklungen mit der festgelegten Quote verrechnet, sodass bei einer Partizipations­quote von 80% und einem jährlichen Kursgewinn von 10%, 8% des Kursgewinns an den Versicherungs­nehmer weiter gegeben werden. 

Index oder Quote? 

Für Kunden ist letzt­endlich entscheidend, von welcher Berechnungs­variante sie unterm Strich am meisten profitieren können. Aus Sicht der Experten gibt es auf diese Frage allerdings keine allgemein gültige Antwort. Welches Indexmodell am besten performt, ist grundsätzlich von den Markt­situationen und ist nicht zuletzt vom Einstiegs­zeitpunkt abhängig. 

Im Zweifel sollte man laut Aussage der IVFP-Autoren immer die index­gebundene Variante wählen, anstatt auf eine sichere Verzinsung zu bauen, die in momentan abgeschlossenen Verträgen eher spärlich ausfällt. „Eine Beteiligung am Index hat sich gegenüber der Wahl der sicheren Verzinsung in der Vergangen­heit in den meisten Fällen gelohnt“, heißt es im Fazit der Studie. „Demnach lag die durch­schnitt­liche Rendite pro Jahr resultierend aus der Index­partizipation um etwa einen Prozent­punkt höher als die sichere Verzinsung des jeweiligen Anbieters.“

Für Sparer, die sich ein hohes Maß an Sicherheit wünschen und dennoch an den Kursgewinnen des Kapitalmarktes profitieren wollen, würden Index­policen prinzipiell eine echte Alternative zu klassischen Renten­versicherungen darstellen. 

Wie wird mein Geld überhaupt angelegt? 

In klassischen Renten­versicherungen können allein die Überschüsse z.B. in Fonds bzw. Indexfonds investiert werden. 

Das Kapital im Sicherungs­vermögen erwirtschaftet auf Basis der vom VAG und der Bafin vorgegebenen Regelungen zunächst die Garantie­rendite. Alles, was über die Garantie­rendite hinaus erwirtschaftet wird, wird anschließend in den Fonds investiert. 

Zur Erläuterung ein kurzes Beispiel: Wenn Ihr Versicherungs­vertrag ein Vertrags­guthaben von 10.000€ aufweist und die Überschuss­beteiligung 3% (300€) beträgt, erwirbt der Versicherer für diese 300€ Anteile an einem Indexfonds. Steigert sich der Wert des Index­fonds im laufenden Jahr um 10%, wächst Ihr Vertrags­guthaben nur um 30€ an. Der Gesamtwert Ihres Vertrags­guthabens läge dann bei 10.330 €. 

Anders verhält es sich bei Produkten mit einer Index­partizipation. Hierbei werden vorher Indexstichtage vereinbart, an denen von einer Bank Finanzderivate auf den vereinbarten Index erworben werden. Auf diese Weise wird es möglich, dass sich die Wertsteigerung des entsprech­enden Indizes nicht nur auf die Überschuss­beteiligung bezieht, sondern auf das gesamte Vertrags­guthaben.
Auch hier soll ein kleines Beispiel zu einem tieferen Verständnis verhelfen: Wenn das Vertrags­gut­haben wie gehabt 10.000€ beträgt und eine Überschuss­beteiligung von 3% festgesetzt ist, erwirbt der Versicherer für diese 300€ diesmal eine Index­partizip­ation auf einen vorher vereinbarten Index. Erreicht dieser Index im laufenden Jahr eine Wert­entwicklung von 10%, erhöht sich das Vertrags­guthaben des Versicherungs­nehmers diesmal auf 11.000€. Häufig wird dies über Cliquet-Optionen realisiert, mit der eine Hebelwirkung des Finanz­derivats erzeugt wird. 

Die Versicherungs­nehmer können sich jährlich entscheiden, ob sie am Kapital­markt partizipieren wollen, oder ob sie eine jährlich vom Versicherer festgelegte Überschuss­verzinsung wählen. Im Bereich der betrieblichen Alters­versorgung ist dies ein enormer Verwaltungs­aufwand. Zwar ist hier der Arbeitgeber Versicherungs­nehmer. Die Entscheidung trifft aber der Mitarbeiter. In der Praxis ist dies kaum durchf­ührbar. Entschiedet man sich für eine Beteiligung an der Entwicklung des Kapital­marktes, wird das Gut­haben an den Kurs­gewinnen des Euro Stoxx 50, der die Kurs­entwicklung 50 großer börsen­notierter Unternehmen aus der Eurozone abbildet und eher selten an deutschen Indizes, beteiligt. Manche Anbieter kombinieren derweil auch mehrere, aber immer international gestreute Indizes, um größt­mögliche Renditen­sicherheit gewähr­leisten zu können. 

 

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