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Schöne neue Welt. Rente mit 69?

02.07.2019

In Deutschland kommen nicht nur weniger Kinder zur Welt als früher, auch die Lebens­erwartung der Menschen steigt. Die Folge: Es kommt zu einer Erhöhung des Durchschnitts­alters in der Be­völk­erung. Das deutsche Renten­system ächzt; denn das heißt auch, dass die Beitrags­zahler künftig für mehr Rentner aufkommen müssen. In einem Interview mit der Süd­deutschen Zeitung (SZ) äußert sich Prof. Dr. Axel Börsch-Supan, Wissenschaft­ler am Max-Planck Institut München und Mitglied der von der Bundes­regierung betrauten Renten­kommission, kritisch zum bisherigen Kurs der deutschen Politik und liefert Lösungs­ansätze in Form einer Kurs­korrektur.

Handeln – und zwar am besten so schnell wie möglich

Wenn es nach Börsch-Supan geht, so ist das deutsche Renten­system vor allem in Hinblick auf den demo­graphischen Wandel dringend reparatur­bedürftig. Auch die bisherige Linie der Bundes­regierung, welche anstrebt, das Renten­niveau bis 2025 bei 48 Prozent zu stabilisieren und den Beitrags­satz nicht über 20 Prozent steigen zu lassen, scheint zum Scheitern verurteilt. „Wir erwarten, dass bereits 2025 ein niedriger zweistelliger Milliarden­betrag zusätzlich aufgebracht werden muss, um diese Halte­linien zu finanzieren“, so der Wissenschaftler gegenüber der SZ. Um diese Halte­linien zu finanzieren, seien Steuer­erhöhungen unumgänglich.

Kurs korrigieren – Aber wie?

Konkret spricht sich Börsch-Supan für eine langsame An­hebung des Renten­alters auf 69 Jahre sowie eine deutliche Stärkung der privaten Alters­versorgung durch Betriebs­renten aus. Das heißt konkret: 2030 soll die volle Alters­grenze von 67 Jahren gelten, nach zwölf Jahren dann auf 68 Jahre angehoben werden und weitere zwölf Jahre später die Rente mit 69 eingeführt werden. So könne man „das Renten­niveau mit einer kleinen Delle in etwa handeln“. Gleichzeitig bringt Börsch-Supan die Überlegung ein, es müsse ein an den individuellen Gesundheits­zustand angepasstes Renten­alter geben: „Man darf Menschen nicht über einen Kamm scheren. Das Renten­system müsste davon Abschied nehmen, ein bestimmtes Renten­alter für alle vorzuschreiben. Da ist mehr Flexibilität in beide Richtungen gefragt“.

Altersvorsorge – ein politisches Projekt

Außerdem müsse die Politik beim Thema Alters­armut dringend handeln. Wenn man die Situation der betroffenen Rentner, die auf die Grund­sicherung von 800 Euro einschließlich Wohn­geld zurückfallen, verbessern will, muss das Parlament diesen Betrag in erster Linie erhöhen, so Börsch-Supan. Im Interview mit der SZ betonte er auch, dass er die Ein­führung einer Grund­rente oberhalb der Grund­sicherung insbesondere für langjährig Versicherte für sinnvoll und vor allem notwendig halte – unabhängig vom vorherigen Verdienst. Letztlich spricht sich der Wissenschaftler zudem für private Vorsorge­möglichkeiten wie die Riester-Rente aus, kritisiert aber deren In­transparenz. Auch hier „gäbe es eine Menge zu ändern“. Zusammen mit den Sozial­partnern sei es vor allem die Aufgabe des Staates, ein entprechendes Betriebs­renten­modell auszubauen – dann liege es nur noch an den Unternehmen ihre Arbeit­nehmer dazu zu motivieren, sich um ihre Rente zu kümmern.

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