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So geht es nicht weiter

13.07.2015

Lohn + Gehalt, DATAKONTEXT, Ausgabe 08/2015

Herr Kolm, der Bund der Versicherten e.V. (BdV) warnte kürzlich bei der Entgeltumwandlung vor legalem Betrug. Was meinen Sie hierzu?

Der BdV behauptet, dass die Angebote der Lebensversicherer bei der Entgeltumwandlung ähnlich überteuert kalkuliert seien wie bei privaten Angeboten. Ob das tatsächlich so ist, will ich nicht kommentieren. Denn die Tarifkalkulationen der Versicherer spielen bei der Entgeltumwandlung zwar eine wichtige, jedoch nicht die zentrale Rolle. Die Entgeltumwandlung wird von anderen Kostenfaktoren dominiert. An erster Stelle steht hier das Absinken der gesetzlichen Rente durch die Entgeltumwandlung. Gibt ein Arbeitgeber die durch die Entgeltumwandlung eingesparten Sozialversicherungsbeiträge nicht oder nicht voll an den Arbeitnehmer weiter, führt das zu einer Kostenbelastung für den Arbeitnehmer von bis zu 15% des Wandlungsbetrages. Erst bei vollständiger Weitergabe beginnt die Sache aus Arbeitnehmersicht interessant zu werden. An zweiter Stelle darf nicht vergessen werden,dass der Betriebsrentner immer die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zu leisten hat. Das verteuert die Entgeltumwandlung nochmals erheblich.
 
Man hört immer wieder, die Versicherungswirtschaft hätte kein tragfähiges Geschäftsmodell für die Entgeltumwandlung. Das kann doch wohl nicht wahr sein, oder?

In einem provisionsgetriebenen Markt rechnet sich nachhaltiger Service nicht und ein wirtschaftliches Überleben funktioniert nur mit stetig neuen Abschlüssen. Wie will ein Versicherungsvertrieb auch seriös ein dauerhaftes Serviceversprechen auf Basis einer einmaligen Abschlussprovision aufbauen? Für Beratung ist da kaum Zeit. Wir müssten hier über Honorartarife reden, aber das führt an dieser Stelle zu weit.

Auch mit der Verwaltung ist das so eine Sache, denn jede Versicherungsgesellschaft verwaltet naturgemäß nur die eigenen Versicherungsverträge. Die Betriebe sind aber im Bereich der bAV in der Regel mit einer ganzen Reihe an Versicherungsgesellschaften verbunden und so fehlt in vielen Unternehmen am Ende eine transparente Gesamtverwaltung der bAV. Irgendwann stellt sich dann die Gretchenfrage nach der Auslagerung an einen externen Spezialanbieter.

Ist die Entgeltumwandlung somit für den Mitarbeiter zu teuer und für das Unternehmen zu riskant? Sollte man die Finger davon lassen?

Wenn die Entgeltumwandlung weiterhin so verkauft wird wie das heute die Regel ist, stimme ich Ihnen absolut zu. Aber das muss beileibe nicht so sein. Im Grunde ist es mehr als einfach und richtig gemacht wird die Entgeltumwandlung zu einem ausgesprochen effektiven Instrument der Altersversorgung. In Kurzform sieht das so aus:

1. Unternehmen bieten keine Entgeltumwandlungen mehr an, die mit Verkaufs- und Abschlusskosten behaftet sind. Es kommen ausschließlich provisionsfreie Tarife mit einer günstigen Kostenstruktur seitens des Versicherers zum Einsatz - und hier sind wir wieder bei den eben erwähnten Honorartarifen.

2. Die Ersparnis der Lohnnebenkosten wird an den Arbeitnehmer weitergegeben. Nicht zwingend komplett, aber doch in großen Teilen. Ansonsten ist die Gefahr, dass bei einer vergleichbaren privaten Altersversorgung mehr herauskommt als bei der betrieblichen Entgeltumwandlung. Und ich möchte nicht in der Haut eines Unternehmens stecken, das in 20 Jahren nicht nachweisen kann, dass sein Versicherungsvermittler seinerzeit den Arbeitnehmer hierüber nicht aufgeklärt hat. Sicher, wo kein Kläger da kein Richter. Aber die Entgeltumwandlung ist noch jung. Und so dürfte gelten: kommt Zeit, kommt Klage.

3. Aus der verbleibenden Sozialversicherungsersparnis werden dann Spezialdienstleister mit der Verwaltung, Betreuung und Beratung sowohl des Arbeitgebers wie auch des Arbeitnehmers beauftragt.
 
Im Ergebnis verfügen Arbeitnehmer dann über eine wirklich leistungsfähige und rentable Entgeltumwandlung. Unternehmen betreiben so ein kostengünstiges, dauerhaft gepflegtes und rechtssicheres Versorgungswerk. Und richtig umgesetzt, ist die Kostenbelastung für die Unternehmen zumindest bei neuen Entgeltumwandlungen niedrig.
 
Peter Kolm (56) ist seit 1995 als selbständiger Berater für betriebliche Altersversorgung tätig und zählt somit zu den „alten Hasen" der Branche.www.pcak.de

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